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13.07.2013   Die Nachzucht der Schlammpeitzger in Eußerthal nimmt Fahrt auf

Von Thomas Schmidt, Matthias Hundt, Benjamin Schreiber, Dr. René Gergs und Prof. Dr. Ralf Schulz

Institut für Umweltwissenschaften Landau, Universität Koblenz-Landau

 

Maifisch: Aufzucht und Experimente erfolgreich abgeschlossen

Nach dem Aufbau der Versuchsanlage im neuen Bruthaus der Fischzuchtanlage Eußerthal im Frühjahr 2012, konnten dort im Juni ca. 35.000 Maifischlarven (Alosa alosa) im geschlossenen Kreislaufsystem erbrütet werden. Die Eier für unsere Aufzucht wurden von den Projektpartnern des LIFE+ -Projektes 'Maifisch' aus der Fischzucht in Bruch im Department Lot-e-Garonne in Frankreich) zur Verfügung gestellt. Das geschlossene Kreislaufsystem hat den Vorteil, dass alle wichtigen Wasserparameter kontrolliert und geregelt werden können. Dies ist besonders bei der Aufzucht der sensiblen Maifischlarven wichtig. So musste z.B. die Wassertemperatur konstant über 18 °C gehalten werden. Außerdem war es für die Ausführung der mit den Maifischlarven durchgeführten Experimente unabdingbar die Wasserqualität gleichbleibend hoch zu halten.

Verschiedene Experimente zum Ernährungsverhalten, der Aquakultur, sowie der Toleranz von Maifischen gegenüber hohen Temperaturen wurden durchgeführt. Ein weiterer Fokus lag in der Untersuchung der chemischen Markierungsmethoden von Maifischlarven. Chemische Markierungen von Fischen (z.B. die Färbung der Gehörknöchelchen) sind eine gängige Praxis und für die Larvenstadien der einzige verfügbare Ansatz, um z.B. den Erfolg einer Besatzmaßnahme zu dokumentieren. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass diese Methoden eine starke Belastung für die Fische darstellen. Daher könnten sie die Überlebenschancen der Larven nach dem Besatz verringern. Die Auswertung der von uns durchgeführten Untersuchungen ist noch nicht abgeschlossen. Dennoch lässt sich bereits sagen, dass es sich beim Maifisch um eine Fischart mit einem relativ weitem Temperaturspektrum handelt. Im Larvenstadium kann diese Art bei Temperaturen von über 25°C gehalten werden. Außerdem haben unsere Untersuchungen gezeigt, dass der Erfolg und die Auswirkungen der beim Maifisch angewendeten chemischen Markierungsmethoden sehr stark von der Wasserquelle abhängig sind. Unter bestimmten Umständen können sie zu hohe Mortalitäten beim Markierungsvorgang führen. Die gewonnenen Erkenntnisse können hoffentlich dazu beitragen die verbleibenden Populationen dieser Wanderfischart in Frankreich und Portugal besser zu schützen. Außerdem sollen natürlich im Besonderen die Ansiedlungsmaßnahmen des LIFE+ - Projektes 'Maifisch' am Rhein, sowie die Bildung einer Elterntierhaltung im hessischen Aßlar durch unsere Forschung unterstützt werden.

altNach Abschluss der Experimente wurden die verbliebenen Maifische in ein großes Becken am Campus der Universität in Landau gebracht, da hier anders als in den Teichen im Eußerthal im Sommer stetig die für die weitere Aufzucht notwendigen Temperaturen von über 16°C erreicht werden. Nach einer Wachstumsperiode von ca. 4 Monaten wurden die Maifische mit einer Größe von über 6 cm am Hagenbacher Altrhein bei Maximiliansau auf ihre Wanderung zum Meer geschickt. Nähere Informationen über das LIFE-Projekt, welches die Wiederansiedlung des Maifisches am Rhein, sowie den Schutz der Südwestfranzösischen Gironde-Population zum Ziel hat, kann man unter www.alosa-alosa.eu im Internet finden.

An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit mit dem Projektpartner MIGADO aus Frankreich, sowie dem Manager des LIFE+ -Projektes, Dr. Andreas Scharbert, bedanken.

Das geschlossene Kreislaufsystem, das eigens für die Untersuchungen an den Maifischlarven im neuen Bruthaus installiert wurde, steht nun für spannende Forschungen an den Larven der Schlammpeitzger zur Verfügung.

 

Schlammpeitzger: Ein Schritt zurück und zwei nach vorn

Letztes Jahr um diese Zeit erwarteten wir, als Ergänzung zu den  Schlammpeitzgern (Misgurnus fossilis) in der extensiven Teichhaltung, Larven aus einer privaten Hobbiezucht, um diese in Eußerthal groß zu ziehen. Leider kamen diese nie an. Die Enttäuschung war groß, als uns anstatt der erwarteten Larven ein Foto von verpilzten Eiern erreichte. Die Gefahr derartigen Rückschlägen besteht leider immer und gerade in einer kleinen Hobbiezucht führen solche Probleme schnell zu einem Totalausfall eines gesamten Jahrgangs. So bedauerlicher Weise auch in diesem Fall.

Die Schlammpeitzger in der extensiven Teichhaltung haben nunmehr ihren zweiten Winter in Eußerthal gut überstanden. Gesehen haben wir die Fische in dem dicht verkrauteten Teich zwar schon seit langem nicht mehr. Die individuellen Markierungen einiger der Tiere konnten wir aber in diesem Frühjahr wieder an unterschiedlichen Stellen orten, so dass wir wissen, dass sie sich noch munter im Teich bewegen. Nachwuchs werden wir in dem Teich wieder im nächsten Herbst suchen.

In diesem Jahr nun werden wir uns erstmals selbst an der Vermehrung der Schlammpeitzger in intensiver Aquakultur versuchen.

altEtwa seit Ostern diesen Jahres ist Egbert Korte von der Bürogemeinschaft für Fisch- und Gewässerökologische Studien in Riedstadt an den Gewässern der Pfalz unterwegs, um im Auftrag des Fischereireferenten Thomas Oswald der SGD Süd zu ergründen, wo der Schlammpeitzger in der Natur denn noch vorkommt. Bei dieser Gelegenheit wurden und werden auch einige Tiere für das Zuchtprogramm in Eußerthal entnommen. Aktuell werden 11 adulte Tiere aus einem Südpfälzer Gewässersystemen auf der Teichanlage in geeigneten, großen Kübeln gehalten. Egbert Korte hat im Auftrag des Landesbetrieb Hessen-Forst – Servicestelle für Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA) mit Kollegen bereits ein landesweites Artenhilfskonzept  für den Schlammpeitzger in Hessen erarbeitet und wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit.

altEs finden sich sowohl ausreichend männliche, als auch weibliche Tiere unter den Neuzugängen. Bei den Schlammpeitzgern ist die Unterscheidung der Geschlechter, im Gegensatz zu vielen anderen Fischarten, leicht anhand äußerer Merkmale möglich. Die Männchen haben im Verhältnis deutlich größere Brustflossen als die Weibchen und zeigen insbesondere in der Laichzeit zudem eine meist rötlich gefärbte Schwiele an den Flanken im Bereich hinter den Bauchflossen.

Von einem ausgewachsenen weiblichen Tier lassen sich unter guten Bedingungen etwa 20.000 Eier für die Nachzucht gewinnen, so dass schon in diesem Jahr genügend Jungtiere für umfangreiche Untersuchungen und gegebenenfalls später für erste Besatzversuche erwartet werden können. De gezüchteten Larven sollen auch zur Erforschung ökologischer Fragestellungen genutzt werden. Auch beim Schlammpeitzger ist die Temperaturtoleranz der Larven ein interessanter Untersuchungsgegenstand. Denn die natürlichen Lebensräume der Art sind häufig durch einen extreme Schwankung der Wassertemperaturen im Tagesverlauf gekennzeichnet. Spannende Einblicke erwarten wir uns auch in die Lebensweise der Schlammpeitzgerlarven. Die jüngsten Stadien mit ihren ungewöhnlichen Außenkiemen halten sich wahrscheinlich vorwiegend im Sediment verborgen auf. Dies wollen wir näher ergründen. In unserer durch Landwirtschaft geprägten Landschaft könnte dieses Verhalten zu einem Problem werden, da sich in den Sedimenten unserer Gewässer häufig Schadstoffe sammeln. Die empfindlichen Larven wären diesen in besonderem Maße ausgesetzt. Die geplanten Experimente sollen dazu beitragen die Aufzuchtbedingungen für Schlammpeitzger weiter zu verbessern und eine mögliche Schädigung von Schlammpeitzgern durch den Eintrag von Schadstoffen in ihren natürlichen Lebensraum zu erforschen.

Schon in den nächsten Wochen sollen in Eußerthal die ersten Schlammpeitzgerlarven schlüpfen und damit ein weiterer Beitrag zum Erhalt einer gefährdeten Fischart in Rheinland-Pfalz geleistet werden.

 

Karausche: Glück im Unglück

Im Juli vergangenen Jahres erhielten wir die ersten laichfähigen Karauschen (Carassius carassius). Sie sollten den Grundstock für das Nachzuchtprogramm dieser seltenen Arten bilden. Einer der Teiche in Eußerthal war bereits entsprechend den Ansprüchen dieser Art hergerichtet worden und stand zur Aufnahme der Tiere bereit. Bei einer eingehenden Begutachtung der angekommenen Karauschen fiel auf, dass etliche der Fische Deformationen aufwiesen. Es waren z.B. verkrümmte altFlossenstrahlen und verkürzte Flossen, sowie schiefe Kieferknochen und asymmetrischer Wuchs des Schädels zu beobachten. Derartige Erscheinungen können durch schlechte Haltungs- und Nahrungsbedingungen verursacht werden. Diese Ursachen konnten hier aber ausgeschlossen werden. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Tiere schon seit etlichen Generationen in Kultur gehalten werden und jedes Jahr nur wenige Individuen zur Vermehrung beitragen. Daher deuten die beschriebenen Auffälligkeiten höchst wahrscheinlich auf eine Inzuchtsproblematik hin. Auch wenn nicht alle Tiere solche Auffälligkeiten zeigten, haben wir uns daher entschlossen, die Tiere nicht in das Zuchtprogramm aufzunehmen.

Glück im Unglück: Nach ergiebigem Dauerregen in diesem Frühjahr brach der aufgeweichte Damm des Karauschenteichs. Der Schaden an der Teichanlage ist schlimm genug! So waren aber wenigstens keine der seltenen Fische betroffen.

Wie bei den Schlammpeitzgern werden wir für die Nachzucht der Karauschen also Wildfänge regionaler Herkunft finden müssen. Diese zwei Arten kommen häufig in den gleichen Habitaten vor. Wie die beiden etwas ungebräuchlicheren Namen 'Moorgrundel' (Schlammpeitzger) und 'Moorkarpfen' (Karausche) andeuten, sind dies vorwiegend stehende, besonders stark verkrautete und insbesondere sauerstoffarme Gewässer. Es bestehen also gute Aussichten, dass Egbert Korte bei seiner Suche nach Schlammpeitzgern auch Karauschen findet. Des Weiteren haben wir durch einen Hinweis von dem Fisch- und Gewässerökologen Dietmar Bernauer (LIMNOCON) einen Altarm des Rheins in der Nähe von Karlsruhe gefunden, in dem laut des ansässigen Angelvereins natürlicherweise sowohl Karauschen als auch Schlammpeitzger vorkommen. Der Angelverein hat bereits seine Hilfe bei einer Befischung angeboten. Somit sind wir sehr hoffnungsfroh Fische beider Arten in naher Zukunft aus diesem Habitat auf der ehemaligen Fischzuchtanlage in Eußerthal halten zu können.

 

Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in Eußerthal

Der Fachbereich Natur- und Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau hat seit diesem Jahr erstmals 3 FÖJ Stellen zu besetzen. Zwei davon sind am Institut für Umweltwissenschaften angesiedelt und beschäftigen sich mit Ökologie und Schutz von Gewässern und Fischen. Die eine dieser Stellen hat ihr Haupteinsatzgebiet in Eußerthal im Rahmen des Projektes zum Schutz bedrohter Fischarten. Es gab viele Anfragen auf diese Stelle, was das große Interesse der jungen Generation an dem Bereich Natur- und Gewässerschutz zeigt. Mittlerweile ist das Auswahlverfahren abgeschlossen und zum 01. August diesen Jahres wird die erste FÖJlerin ihre Stelle antreten und die Projekte auf der Fischzuchtanlage tatkräftig unterstützen.